Gemeinde Raesfeld
Femeiche

Im Jahre 1441 wurden unter dieser Eiche die Gebrüder
Diepenbrock wegen Schöffenmord verfemt. Blitze und Stürme haben in den
Jahrhunderten den Baum, dessen morsches Kernstück ausgehöhlt wurde, arg
zugesetzt. Es gab kaum ein Ereignis im Dorf Erle, das nicht in diesem Baum,
der am Boden einen Durchmesser von etwa drei Meter maß, gefeiert wurde. Bei
einem Manöver seiner Truppen 1819 nahm der damalige Kronprinz, der spätere
König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, mit zwei Generälen in diesem sein
Frühstück ein.
Die Femeiche ist etwa 1500 Jahre alt. In vorchristlicher Zeit war sie dem
Gott Odin geweiht. Man nannte sie auch Ravenseiche (Rabeneiche). Die Sage
erzählt, dass der Gott Odin als Richter unter der Eiche saß. Seine Raben
hockten in den Zweigen des Baumes. Sie schauten in alle Himmelsrichtungen
und erzählten dem Gott, was rundum geschah. Man vermutete, dass unter der
Eiche auch eine heidnische Opferstätte war, wo man den Göttern Opfer
brachte.
Schon zur Zeit Kaiser Karls des Großen (um 800 n. Chr.) muss die Eiche ein
mächtiger Baum gewesen sein. In der Chronik ist zu lesen, dass bis zum Jahre
1589 unter der Eiche Gericht gehalten wurde über Mörder und Räuber. Von den
Gerichtssitzungen hat die Eiche heute den Namen "Femeiche" (feme = Gericht).
Viele Gäste, die die Femeiche besuchen, staunen darüber, dass der Baum noch
wachsen kann und jedes Jahr wieder grüne Blätter trägt. Sein Stamm steht
schief und ist völlig hohl und durchlöchert. Nur die dicken Stützen und
Eisenstangen halten ihn aufrecht. Im Jahre 1965 behandelte ein Baumchirurg
zum ersten Mal die Femeiche, die zweite Behandlung erfolgte 1986/87.